Umsetzung der Idee SternChance

Der Weg von der Idee zur Verwirklichung war lang und steinig. Dass es uns dennoch heute gibt, verdanken wir vielen Helfern und Unterstützern. Die langen Wege durch die Verwaltung(en) waren manchmal dornenreich, manchmal verwirrend, manchmal völlig unverständlich, doch immer wieder fanden wir auch Hilfe und Unterstützung. Das größte Hindernis bei der Umsetzung war der Brand des Hauses im Frühjahr 1997. Wir haben damals dem ersten Impuls nicht nachgegeben, sondern sind bei unserem Ansatz geblieben. Wenn es möglich gewesen wäre, das alte Haus zu renovieren, dann musste es auch möglich sein, die durch den Brand hervor gerufenen Schäden zu beseitigen.

Der Erfolg gibt uns heute recht. Aber alleine wäre es nicht gegangen. Deshalb gilt den nachfolgend aufgeführten Ämtern, Einrichtungen und Personen unser ganz besonderer Dank: Stadtentwicklungsbehörde für Finanzierung des Wiederaufbaus, Firma JOTUN, vermittelt durch den norwegischen Generalkonsul Nils Olav Stava (die norwegische Farbenfirma hat ihr Mutterhaus in Sandefjord nahe Oslo und spendete uns die gesamte Außenfarbe in einem norwegischen Originalton in feinster Farbqualität),dem norwegischen Konsulat für ein Ölgemälde von Astri Vie Pollege, Bezirksamt Eimsbüttel (wir hatten mit nahezu allen Abteilungen zu tun), allen Fraktionen der Bezirksversammlung Eimsbüttel für die Bewilligung der Mittel für die Regenwassernutzungsanlage, Hamburger Spendenparlament für Außenbühne, Baumhaus und Starthilfe, Schallschutzakustiker Dr. Jacobi für Rat bei der Konzeption der Außenbühne, plankontor für die Zeichnung des Plans der Außenbühne, HASPA für Spielgeräte, Kompostanlage, Pflanzen und Außenbühne, HEW Umweltstiftung für die Teichanlage, Hanseatische Natur- und Umweltinitiative für die Solaranlage und einen Naturzaun, den Jungs vom Verein Stadtteil- und Milieunahe Erziehungshilfen für den Bau des Baumhauses, den Beschäftigungsträgern Hamburger Althauspflege, GATE, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, S.A.U.F., einfal GmbH, Jugendwerkstatt Rosenallee, der Stadtent-wicklungsgesellschaft für die Hilfe beim Verteilen der Ferienprogrammhefte, Wachdienst Molitor (der erste Alarmeinsatz erfolgt kostenfrei), Reinigungsfirma Klaus Mölln für die Reinigung der Fußböden, Musikmarkt für Leihgaben zur Durchführung der Musikdarbietungen, dem Gastwirt Mario Drifte von der "Bodega" für Bierzapfen.

Dank gilt vor allem auch den Künstlern, die uns während der letzten Jahre kostenlos erfreut haben und auch noch einmal ihre Beiträge zu der Eröffnungsfeier geschenkt haben. Außerdem danken wir den Helferinnen und Helfern, die bei der Entrümpelung des Geländes, der Durchführung der Sommerprogramme und beim Anlegen der Gartenbeete geholfen haben. Der Firma PPC danken wir für die Finanzberatung und den Feng Shui Beraterinnen Brigitte Borth und Stefanie Sperber für die Hilfe bei der Gestaltung des Hauses und des Gartens und dem Architekten Ronald Knaack für sein über das Übliche hinaus gehende Engagement. Für finanzielle Unterstützung danken wir allen Spendern und Fördermitgliedern.

50 Jahre Norwegenheim im Sternschanzenpark
- ein Geschenk aus dem Königlichen Norwegen an die Stadt Hamburg

Die Geschäftsführerin der Vereinigung städtischer Kinder- und Jugendheime der Freien und Hansestadt Hamburg Gertrud Splidt traf sich Anfang der 50er Jahre mit der Norwegerin Tove Tau.
Tove Tau war mit dem von den Nazis verfolgten und im Krieg nach Norwegen geflohenen Max Tau verheiratet und arbeitete für die „Norwegische Europahilfe“, deren Mission es war, die Not in Europa nach dem Krieg zu lindern. „Redd Barna“ (=Rettet die Kinder) war der „Norwegischen Europahilfe“ angeschlossen, ihnen lag besonders das Wohl der Kinder am Herzen. Die kommenden Generationen sollten nicht leiden unter der Vergangenheit und nun der Grundstein dafür gelegt werden , dass sich das Gewesene nie wieder wiederholt. Welch eine Geste der Nächstenliebe und der Vergebung. Die Norweger, denen so viel Unheil durch die deutschen Nationalsozialisten zuteil geworden war, hatten selbst nicht viel und brachten dennoch die Mittel auf, um die Kinder ihrer ehemaligen Feinde zu retten!

Und sie retteten Kinder, die in Verhältnissen lebten, die sich hier heute keiner mehr vorstellen kann. Es gab viele alleinerziehende Mütter, deren Männer nicht aus dem Krieg zurückgekehrt waren. Sie hausten in Ruinen, zertrümmerten Häusern und Notunterkünften. Mehrere Familien teilten sich eine Wohnung, viele besaßen kein eigenes Bett. Die meisten Menschen hatten nichts zu essen.

Über ihre parteipolitische Arbeit in der SPD und ihre Verbundenheit mit Norwegen hatte Gertrud Splidt von zwei gespendeten Norwegenhäusern in Kiel und dem „Fridtjof-Nansen-Haus“* in Ratekau bei Lübeck gehört und wollte Tove Tau wissen lassen, dass auch in Hamburg so ein Haus gebraucht würde.
Die „Norwegische Europahilfe“ entschied positiv und spendete auch für Hamburg ein Norwegenheim. Vor allem den alleinstehenden Müttern sollte aus ihrer großen Not herausgeholfen werden, damit sie sich für ihren Lebensunterhalt Arbeit suchen konnten und ihre Kinder gut betreut wussten.
Tove Tau hatte sich für die Kinder einen idyllischen Ort im Grünen gewünscht, mitten in der Stadt und nicht verkehrsreich. So wurde der Rand des Sternschanzenparks ausgesucht und das Fundament gebaut. Die Bauteile und die von Tove Tau ausgewählte Ausstattung wurden per Schiff hergebracht.

Am 18.2.1952 konnte das Norwegenheim eröffnet werden. Die Heimleiterin Gertrud Kampe nahm den symbolischen Schlüssel einer alten norwegischen Stabkirche (zu besichtigen im Cafe Stern-Chance) von Jugendsenatorin Paula Karpinski** entgegen. 88 Kinder wurden aufgenommen. Es gab 2 Gruppen für Kleinkinder ab 2 Jahren, weitere 2 Gruppen für Schulkinder. Das Norwegenheim war von 6–18 Uhr geöffnet. Eine Noteinrichtung aus der Laeizstraße, die nicht den Bedürfnissen der Kinder entsprach, zog mit ihrer Leiterin Ingeborg Stolp in das Norwegenheim. Die übrigen Kinder wurden von den Fürsorgerinnen und Sozialarbeitern des Amtes für Soziale Dienste ausgewählt. Viele Kinder waren durch den Krieg traumatisiert. Durch das schöne Haus konnte bei diesen Kindern viel erreicht werden.

Die ersten Heimleiterinnen Gertrud Kampe und Ingeborg Stolp*** und die Erzieherinnen der ersten Stunde wussten, dass die Skandinavier uns in der Kindererziehung weit voraus waren (und sind!) und freuten sich nicht nur über das nach hohem Qualitätsstandard so schön eingerichtete Haus, sondern führten auch mit ausgebildeten Kindergärtnerinnen ein in der damaligen Zeit besonderes Erziehungskonzept durch. Sie stellten die Möglichkeit, in Luft und Sonne bei genügend Platz zu spielen, obenan. Die Persönlichkeit des Kindes sollte erkannt und individuell mit viel Kreativität zur Entfaltung gebracht werden, Werte, die bei den Nationalsozialisten nicht gefragt waren.

Den Kindern sollte ein Stück „Zuhause“ als familienergänzende Erziehung gegeben werden. Auch nach der Eröffnung wurde die Hilfe fortgeführt. Aus Norwegen kamen Lebensmittelpakete, die vom Norwegenheim aus an bedürftige Familien verteilt wurden. Junge Menschen aus einer norwegischen Musikschule spielten im Norwegenheim im Rahmen des Kinder- und Jugendaustauschs. Der Kontakt mit den Norwegern wurde sehr geschätzt und gepflegt. So hielten die Kinder Tove Tau immer durch ihre Briefe mit Basteleien auf dem Laufenden. Die „Gamle Garde“ (=Norwegische Pensionäre aus öffentlichen Ämtern) zeigten ihr Interesse, indem sie das Norwegenheim besuchten. Am norwegischen Nationalfeiertag wurden damals wie heute Umzüge durch das benachbarte „Planten un Blomen“ durchgeführt. Auch die Kinder des Norwegenheims schwenkten norwegische Fähnchen und riefen „Huray“.

1994 wollte die Vereinigung das Kindertagesheim vergrößern und zog weg von der inzwischen sehr verkehrsreichen Schröderstiftstraße in die Monetastraße.

1995 entstand die Idee, die verschiedenen Generationen und Nationalitäten des Schanzen-, Karo- und Univiertels zusammenzuführen. Unter dem Motto „kulturell, bildend, sozial“ trat der Verein SternChance an, die Stimmung im Stadtteil anzuheben.
Angst vor Versnobbung auf der einen Seite wie Angst vor Verslumung auf der anderen Seite waren ebenso Grundlage wie die Sehnsucht nach einem Treffpunkt, an dem sich die ganze Vielfalt des Schanzenviertels zum Wohle des Stadtteils befruchtend darstellen kann. Unterschiedliche Kulturen und Altersgruppen treffen sich bei dem Besuch der Kurse und Seminare, bei gemeinsamem Tanz oder Musikgenuss, man lernt sich kennen, lernt voneinander und miteinander. So kann Verständnis füreinander entstehen und Freude an der Verschiedenartigkeit. Offenheit und Toleranz bereichern die Lebensqualität.

1996 bewarb sich der Verein SternChance um das Norwegenheim als Standort für „SternChance an der Sternschanze – Treffpunkt Norwegenheim“, organisierte und koordinierte für die „Erste Hilfe für die Sternschanze“ (=Runder Tisch aus Politik, Drogeneinrichtungen, afrikanischen Verbänden, Kindergärten, Schule, Kirche, Polizei, Initiativen, Bewohnern) im Sternschanzenpark das ehrenamtliche Fest „Phoenix aus der Asche“. Der beginnenden Ausländerfeindlichkeit, entstanden durch die Drogenproblematik im und am Sternschanzenpark, sollte mit einem positiven Signal „wir leben und feiern hier gerne“ begegnet werden. Auch Lösungsansätze wurden gemeinsam erarbeitet.

1997 fiel das Norwegenheim wegen Leerstandes Brandstiftern zum Opfer. Der südliche Teil des Hauses wurde vollständig zerstört. Doch SternChance gab nicht auf, veranstaltete diverse Sommer-programme an der Brandruine und „erkämpfte“ das Geld für den Wiederaufbau.

Am 7.7.2000 eröffneten wir endlich unser „SternChance Café- und Culturhaus Sternschanze“ im wieder errichteten Norwegenheim und zeigen seitdem, dass unser Haus – wieder sehr schön eingerichtet - trotz aller Anlaufschwierigkeiten und ohne laufende Förderung nicht nur überlebt, sondern sich auch mit zunehmendem Bekanntheitsgrad immer noch größerer Beliebtheit erfreut. Vor allem die multikulturelle Absicht ging auf, hier treffen sich alle Nationalitäten. Der Senegalese spielt spontan mit dem Norweger und der Kurde tanzt dazu. Sehr stolz sind wir auf unsere sozialen Angebote. Die Elternschule bietet kostenlos Babymassage und Alleinerziehendentreff.
Unser internationaler Kindergospelchor, in SternChance geboren, trat nach Darbietungen im Norwegenheim in der Nikolaikirche auf und darf im Mai 2002 sogar für das Königlich Norwegische Kronprinzenpaar Mette Marit und Haakon singen!

Der Gedanke der Völkerverständigung wirkt damals wie heute positiv im Norwegenheim.

* Eröffnung 1951, die erste Heimleiterin Eva-Isolde Kerst verkehrt bis heute regelmäßig im Hamburger Norwegenheim
** Paula Karpinski, die erste weibliche Hamburger Senatorin, wird in diesem Jahr (2002) 105 Jahre alt
*** Ingeborg Stolp ist Zeitzeugin und besonders im Jubiläumsjahr 2002 häufiger und sehr gern gesehener Besuch

NEUERÖFFNUNG

Seit Sommer 2000 gibt es im Sternschanzenpark das Café- und Culturhaus SternChance. In einer grünen Oase mit Gartenanlage und Spielplatz werden zahlreiche Veranstaltungen organisiert und der alte Multikulti-Gedanke lebendig gehalten. So wie das Programm wuchs, geriet das Haus an seine Grenzen und platzte schließlich aus allen Nähten.

Daher kam das größte Geschenk zum 7. Geburtstag am 07.07.07 von der Hamburgischen Bürgerschaft: Sie hatte einstimmig beschlossen, die Kosten für die Vergrößerung des Culturhauses im Sternschanzenpark zu bewilligen. Seit Herbst letzten Jahres wurde daher abgerissen und so groß wieder aufgebaut, dass wir nach dem bevor stehenden Bauende über einen zusätzlichen Tanzraum und einen Veranstaltungssaal verfügen.
Dazu wurden dann noch weitere Finanzierungen nötig, die im Rahmen eines Neubaus immer plötzlich und unerwartet fällig werden.

So konnten die Wurzeln zweier alter Bergahorne durch einen geeigneten Verbau vor der Ausschachtung geschützt werden; die Kosten übernahm die Hanseatische Natur- und Umweltinitiative. Das Hamburger Spendenparlament half noch einmal bei der Ausstattung des neuen Tanzraums, Herr Lemke von der norwegischen Firma Jotun spendierte einen Teil der Hausfarbe. Die Finanzierung eines Wandpaneels mit Sitzbank wird aus Tronc-Mitteln finanziert und die Bühne für den neuen Norwegensaal von der HASPA. Außerdem konnte ein Materialschrank eingebaut werden aus Mitteln des Verfügungsfonds Eimsbüttel Süd.
Der Bau insgesamt konnte so zügig nur durch die effiziente und schnelle Hilfe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bezirksamtes Eimsbüttel gewährleistet werden.

Wir danken allen Helfern von Herzen!
SternChance e.V.
Im Norwegenheim im Sternschanzenpark

10 Jahre SternChance

Das Norwegerheim steht seit seinem Aufbau nach dem Kriege in einer langjährigen demokratischen Tradition. Ursprünglich gespendet von der norwegischen Europahilfe wurde es über viele Jahre als ein Kindergarten betrieben. Die Erziehungs- und Bildungsarbeit stand in jener Zeit ganz im Zeichen der gesellschaftlichen Demokratisierung nach der Nazizeit und diente vielen Familien der Nachkriegszeit als alltägliche Unterstützung in der Zeit des Wiederaufbaus.
Nach mehrjährigem Leerstand seit 1994 entstand die Idee, das Norwegerheim in der Tradition der Toleranz zu einem interkulturellen Treffpunkt auszubauen. Hier sollten sich alle Generationen und alle Kulturen treffen, um auf diese Weise der drohenden Ausgrenzung und der zunehmenden Vereinzelung von Menschen zu begegnen.
Doch zwischen dieser Idee und ihrer Verwirklichung waren einige Hindernisse zu bewältigen. So brannte das Norweger-heim 1997 aufgrund eines Brandanschlags teilweise ab. Unter viel ehrenamtlichem Einsatz ist es schließlich gelungen, Mittel für den Wiederaufbau aus der damaligen Behörde für Stadt-entwicklung zu bekommen. Mit Unterstützung des Bezirksamts Eimsbüttel und entgegen einer unzutreffenden Gerüchteküche (kein Pfennig oder Cent floss aus dem so genannten Turmgeld in das Haus), gelang es, das Norwegerheim als interkulturellen Treffpunkt zwischen Schanzen- und Universitätsviertel aufzubauen.
Vor zehn Jahren, am 7. Juli 2000, war es dann so weit. Der Verein SternChance konnte die Einweihung des Café- und Culturhauses SternChance im Sternschanzenpark im neuen Norwegerheim feiern. Bis zu diesem Augenblick arbeitete ein Heer von Gartenbauern und freiwilligen Helfern, um das noch unfertige Außengelände in einen eröffnungswürdigen Zustand zu bringen.
Und dies war noch lange nicht alles. Nach 5-jährigem erfolgreichem Betrieb war eine Vergrößerung des Hauses vonnöten. Und auch dies ist gelungen: Aus dem Fonds des Sonderinvestitionsprogramms konnten per einstimmigem Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft die Mittel für die Unterkellerung und Vergrößerung des nördlichen Gebäudeteils bereitgestellt werden.
Jetzt feiern wir am 7. Juli 2010 den zehnten Geburtstag des Hauses.
In den beiden Betrieben des Hauses (dem gemeinnützigen Verein und dem kommerziellen Café) arbeiten zurzeit ca. 40 Personen. Ihnen allen gilt unser Dank! Besonders danken wollen wir Anne Knaack, die alle Schwierigkeiten, von der Konzeption über die Geldbeschaffung, den Bau und Umbau durchlebt und überwunden hat, und hoffen, dass sie irgendwann Ihre Verdienste auch genießen kann. Wir wünschen ihr und dem Projekt immer eine Hand voll Geld im Beutel und eine ganz gehörige Reduzierung an Selbstausbeutung.

Der Vorstand